Kapitel 1. - Gut, besser, am besten!

 "Los Rain! Streng dich an! Du kannst es besser, ich weiß es!" Meine Trainerin klatscht in die Hände. "Los! Höher das Bein! Höher!"

Verbissen halte ich mich mit der einen Hand an der Stange fest und versuche dabei mit der anderen mein Bein in eine senkrechte Position nach oben zu ziehen. Scheiße tut das weh!

"Höher! Rain verdammt, ich dachte du willst was erreichen?! Höher damit!" Meine Trainerin schreit mich in einer Tour an. Tzz - als ob sie's besser könnte.

Entschlossen drücke ich mein Bein senkrecht durch und beiße mit vor Schmerz auf die Lippe, welche sofort zu Pochen beginnt. Aus dem Radio ertönt Don't stop the music von Rihanna und meine Trainerin strahlt glücklich.

"Na siehst du, Rain, es geht ja doch. Komm, Schluss für heute. Ab unter die Dusche!"

Erschöpft lasse ich mein Bein sinken, greife nach einer Flasche kühlem Evian und lasse die Flüssigkeit meine brennende Kehle hinunter laufen. Wie gut sowas tun kann...

Geschlagene 25 Minuten später sitze ich frisch geduscht in meinem Zimmer des Schauspiel Internates und erledige meine Hausaufgaben. Etwas anderes zu tuen, könnte ich mir gar nicht leisten, wenn ich wirkich dieses Semester als beste Schülerinnen abschließen will. Mein straffer Zeitplan lässt mir kaum Freizeit und verlangt meine ganze Disziplin. Tanunterricht, Gesangsunterricht, Ballettstunde und zwischen durch die Hausaufgaben erledigen und vielleicht ein bisschen lernen; und das jeden Tag, rund um die Uhr.

"Rain, Rain!", hämmert es plötzlich an meiner Tür und ich lasse genervt meinen Kuli auf den Collegeblock vor mir fallen.

"Ja?!"

"Rain, Rain, ich muss dir was erzählen!", platzt meine beste Freundin Debbie ins Zimmer und lässt ihr Handtäschen auf mein Bett fallen. "Rate mal was Amanda McNorris mir gerade erzähl hat! In zwei Monaten werden wir eine Abschlussaufführung machen, zusammen mit der Musikschule. Nur die Besten der Besten dürfen mitmachen. Die machen die Musik, wir das Theater. Bald werden die Lehrer die Rollen verteilen und es ist ja wohl ohne Zweifel, das wir die bekommen! Ist das nicht Wahnsinn?!" Debbie strahlt übers ganze Gesicht.

Aufgeregt quicke ich auf und rolle mit meinem Schreibtischstuhl näher zu Debbie heran.

"Wir müssen diese Rollen bekommen Deborah! Wir müssen! Hast du mich verstanden?", rede ich auf sie ein und spiele dabei mit meinen Haaren herum.

Doch für mich ist es schon längst klar, ich muss diese Rolle nicht bekommen; ich werde sie bekommen!

 

 

29.10.07 21:01
 


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